ERP aus dem App-Store

Apps liegen im Trend und auch die Leistungsfähigkeit dieser kompakten Applikationen steigt von Jahr zu Jahr rapide an. Wurden die kleinen Helfer für das Smartphone oder Tablet noch vor kurzer Zeit überwiegend als Ergänzung für bestehende Softwaresysteme eingesetzt, so etablieren sich viele Apps zunehmend als selbstständige Anwendungen, die klassische Lösungen komplett ersetzen.

Doch wie sieht es im Bereich ERP-Systeme mit Apps aus? Wird es zukünftig möglich sein, große ERP-Systeme in modulare Apps aufzusplitten, sodass sich Kunden ihr individuelles System aus den schlanken Modulen selbst zusammenstellen können?

Was sind Apps?

Apps sind einfache Applikationen für das Smartphone oder Tablet, die sich besonders durch einfache Handhabung, günstige Produktionskosten und eine hohe Wiederverwendbarkeit auszeichnen. Die kompakten Applikationen haben sich in den letzten Jahren schnell weiterentwickelt und übernehmen immer öfter komplexere Aufgaben. Sie können in App-Stores kostenlos oder kostenpflichtig bezogen werden und lassen sich in nur wenigen Sekunden auf dem gewünschten mobilen Endgerät installieren.

Applikationen im ERP-Bereich

Mithilfe eines ERP-Systems können Unternehmensprozesse effizient und zuverlässig gesteuert und kontrolliert werden. Die Systeme beinhalten dabei Komponenten wie die Warenwirtschaft, Buchhaltung, Zeiterfassung, Einkauf, Lagerverwaltung und spezielle Auswertungsmodule für die Berechnung unternehmensrelevanter Kennzahlen. Waren ERP-Systeme vormals großen Konzernen vorbehalten, so finden sie dank sinkender Kosten auch vermehrt in kleinen und mittleren Unternehmen Einzug.

Dank des modularen Aufbaus eignen sich ERP-Systeme auf den ersten Blick perfekt für Applikationen. Einzelne Module können als eigene App auf den Markt gebracht werden. Im Anschluss daran können Kunden aus diesen Modulen ihr individuelles ERP-System zusammenstellen und bei Bedarf ergänzen. Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis aktuell jedoch nur schwer umsetzbar.

Stolpersteine für ERP-Apps

Die einzelnen Module müssen untereinander über Schnittstellen kommunizieren und Daten austauschen. Um eine reibungslose Kommunikation zu gewährleisten, müssen die Schnittstellen standardisiert sein. Eine Standardisierung sucht man bislang jedoch vergebens und so kann es passieren, dass Postleitzahlen oder Datumsangaben in der App eines Herstellers ganz anders gespeichert und verarbeitet werden, als in der App eines anderen Produzenten.
Auch individuelle Ansprüche können mit unterschiedlichen Apps nicht immer einheitlich bedient werden. Kunden, die über Niederlassungen in unterschiedlichen Ländern verfügen, benötigen beispielsweise Übersetzungen. Auch wenn die Übersetzung in länderspezifischen Apps möglich ist, müssen diese Anwendungen die Daten in einheitlichen Formaten an andere Module weitergeben, was speziell bei Applikationen unterschiedlicher Hersteller schwierig werden kann.

Sind standardisierte Schnittstellen die Lösung?

Je größer das ERP-System, desto komplexer werden die Strukturen. Damit ERP-Systeme in Apps abgebildet werden können, müssen daher zukünftig einheitliche Standards geschaffen werden. In weiterer Folge müssen sich die Hersteller an diese Standards halten und ihre Daten homogen aufbereiten und weitergeben. Durch die steigende Komplexität gehen dennoch entscheidende Vorteile von Apps verloren. Die Module müssen untereinander getestet werden, was wiederum die Entwicklungszyklen verlängert und den Aufwand erhöht. Das wirkt sich schlussendlich auf die Kosten der Applikationen aus, wodurch sie nicht mehr wesentlich günstiger als ein klassisches ERP-System sind.

Fazit

Apps sind eine hervorragende Ergänzung für bereits bestehende ERP-Systeme. Aktuell gibt es allerdings keinen Hinweis darauf, dass Applikationen klassische ERP-Systeme verdrängen werden. Durch die steigende Mobilität werden hybride Systeme jedoch zukünftig eine größere Rolle spielen, da sie das Beste aus beiden Welten vereinen.

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